Chronik

200 Jahre Musikkapelle Axams – eine kurze Chronik

Die wechselvolle Geschichte der Musikkapelle Axams kann nicht zu einem genauen Gründungsakt zurückverfolgt werden, weil keine Dokumente auf einen solchen hinweisen.

Die geschichtliche Rekonstruktion basiert daher auf zum Teil schriftlichen und mündlichen Überlieferungen sowie auf bildlichen Quellen.

Das Gründungsjahr 1810

„Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kann man in Tirol eine interessante Entwicklung auf dem Gebiet der Musik feststellen. Fast in allen Orten entstanden Blechblasmusikkapellen, die zeitgenössisch „Türkische Musik“ genannt wurden. Der Name stammt daher, weil die Tiroler Blasmusikkapellen ihr Vorbild in der türkischen Janitscharenmusik hatte. Die Janitscharen waren eine Elitetruppe des Türkischen Sultans, die von Blechbläsern in die Schlacht begleitet wurden. Die Tiroler Blasmusikkapelle hat also ihre Wurzeln in der Nachahmung türkischer Militärmusik und wurde von den Zeitgenossen als neue Mode in der Musik empfunden bzw. von konservativen Kritikern oft als „türkische Musikbande“ herabgewürdigt. So mancher trauerte der alten traditionellen Schützenmusik nach, die nur aus Pfeifern („Schweglern“) und Trommlern bestand.“ (Auszug aus: Axams 2005, Seite 298)

Die Innsbrucker Zeitung vom 31. October 1810 dokumentiert unter der Rubrik „Auszug aus merkwürdigen Begebenheiten“ das Vorhandensein einer „Musik“ in Axams bereits im Jahre 1810.

Dort steht Folgendes zu lesen:

Innsbruck, den 28. October:

„Der gestrige Tag, an welchem um halb 8 Uhr (abends, Anm. Red.) Ihre Königl. Hoheiten Ludwig Karl August, Kronprinz, und Therese Karoline Luise, Kronprinzessin von Baiern, die hiesige Stadt begrüßten, wird in allen Herzen als ein wahres Freudenfeste eingegraben bleiben. […]

Von Granawitten bis Innsbruck strahlte den Erlauchten ein jeder Hügel mit Feuer- und Fackel-Glanz entgegen. [ …]

Die Gemeinden von Axams und Pirgitz schlossen sich mit ihrer Musik an den festlichen Zuge nach der Stadt an.[ …]

Als Gründungskapellmeister gilt  Ignaz Anton Tiefenbrunner, Lehrer in Axams von 1804 bis 1862. Gegen Ende seines Lebens übergab dieser die Leitung der Musikkapelle an seinen Sohn Jakob,  der aber 1865 von Axams weggezogen ist. Nach Jakob Tiefenbrunner wurde  die Musikkapelle vom Lehrer Josef Schönherr, dem Vater des Dramatikers Karl Schönherr, übernommen.

1814

Eine äußerst interessante Quelle stellt das „Tagebuch über die Vorfälle in Tirol, vorzüglich in Innsbruck, Band II (12. Februar bis 20. August 1814)“ des Franz Di Pauli dar, in dem er über den Besuch der französischen Kaiserin Maria Louise, einer Tochter des österreichischen Kaisers Franz, in Tirol berichtet (Landesmuseum Ferdinandeum, Dip. 1380, Blätter 297, 298 sowie 313 bis 318):

13. May

[…] Wie ich höre, verlangte sie (die Kaiserin, Anm. Red.) das Mittelgebirge um Innsbruck zu besuchen, und man schlug ihr Axams als die interessanteste Gegend vor. […]

Warum fuhr sie eben heute nach Axams?

Die Antwort hörte ich selbst von einem Handwerker, der mit einem anderen hinter mir die Straße her kam.

Die Kaiserin hat von dem merkwürdigen Dorfe schon in Frankreich gehört und es zu sehen ausdrücklich verlangt. Zu Axams ist nämlich im Jahre 1809 die Insurrection (Volksaufstand, Anm. Red.) zuerst ausgebrochen und auch im verflossenen Herbste hielt man die von Axams für sehr störrisch und gefährlich. […]

Im Bericht über diesen Besuch ist dann u. a. Folgendes zu lesen:

[…] so dass die Zahl der wirklich paradierenden Bauern bei dem Einzug der Kaiserin in Axams etwa 140 Mann gewesen sein dürfte. Auch waren sie mit zwei Schützenfahnen, auf welchen beiden der alte österreichische Doppeladler im Bilde war, und mit voller nicht schlechter türkischer Musik versehen. […]“ An anderer Stelle steht: „Voraus zogen die Schützen in Reih und Glied, und so ging der Zug unter dem Ertönen der türkischen Musik mit fliegenden Fahnen und unendlichen Vivatrufen langsam durchs Dorf bis zum Pfarrhaus, […].

[…] Der Eingang des Hauses wurde hierauf sogleich mit Bauernwachen besetzt, so daß außer dem Bürgermeister und einigen Bauernausschüssen vom Volk niemand hereinkam. Vor dem Haus spielte unterdessen die türkische Musik einige Stücke. […].“

1827

Ein besonderer Anlass, bei dem die Musikkapelle Axams und die Schützenkompanien von Axams, Birgitz, Götzens und Sellrain ausrückten, ergab sich am 04. März 1827 als der bekannte Freiheitsheld von Axams, Georg Bucher, ein Unterkommandant Andreas Hofers, nach einem Festgottesdienst aus der Hand des Kreishauptmannes mit der Goldenen Verdienstmedaille und einer Gnadengabe des Kaisers im Beisein seiner Frau und seiner acht Kinder ausgezeichnet wurde.

1922 – Neue Festtagstracht

Im Jahre 1922 erhielten die Musikkapelle und die Schützen eine neue Festtagstracht – schwarze Kniehose, grüner Lodenrock, lila Gilet, Speckbacherhut und weiße Stutzen -, welche sie in dieser Zusammenstellung heute noch tragen.

Die Vorlage zu dieser Tracht lieferte  ein Gemälde von Peter Paul Kirchebner, 1812 in Axams geboren, 1846 in Fügen/Zillertal gestorben.

Der alte Dorf-Schneider, Johann Peer, fertigte mit seinem Lehrling Josef Tauber die ersten Garnituren an. Die Stutzen wurden von Maria Kuprian gestrickt und deren Tochter Josefa („Schlosser Sefa“) nähte die Verzierungen auf den Hosen.

1925

Die Musikkapelle Axams schloss sich dem neu gegründeten „Musikbund Innsbruck und Umgebung“ an. Erstmals erfolgte eine Durchorganisation (Statuten) der Musikkapellen dieses Bezirkes.

1930

Tiroler Anzeiger, Dienstag, 15. Juli 1930:

Musikjubiläum in Axams: Die Musikkapelle Axams begeht am Sonntag, 20. Juli,  das Fest ihres 120-jährigen Bestandes und rüstet schon seit langem, um dieser seltenen Feier einen würdigen Rahmen zu verleihen. Eine Theater- und primitive Schützenmusik lässt sich in dem alten Spieldorf Axams schon viel früher nachweisen. Doch findet urkundlich eine volle türkische Harmoniemusik erst zur Zeit des großen Schlachtenkaisers Napoleon zum ersten Male Erwähnung; […].“

1933

Der langjährige Kapellmeister (1920 bis 1952) und nachmalige Ehrenkapellmeister Alois Zorn, gestorben 1989, schreibt in seiner mit dem Jahre 1930 beginnenden Musikchronik:

„Da bei meinen Nachforschungen über das Alter der bisherigen Tätigkeit und dem Wirken der Musikkapelle Axams anlässlich der Jubelfeier der Kapelle im Jahre 1930 gar nichts Schriftliches über die gewiß nicht an Begebenheiten und Erlebnissen dahingesunkene Zeit gefunden werden konnte sowie auch von dem seit dem Bestande der Musik mitwirkende Mitglieder kein einziges verzeichnet erscheint, so habe ich mich entschlossen, mindestens vom Jubeljahr 1930 an das Wirken und die Tätigkeit der Kapelle […] aufzuzeichnen und festzuhalten. […].“

1938 und die Zeit des Zweiten Weltkrieges

Der 1925 gegründete Musikbund Innsbruck und Umgebung wurde 1938 – nach dem Anschluss an Deutschland – von der NSDAP aufgelöst. Die Musikkapelle Axams ist, wie die anderen Kapellen auch, im Jahr 1939 in den neu gegründeten Tiroler Standschützenverband eingegliedert worden und hatte in der Folge als Standschützenkapelle auszurücken. Gleichzeitig wurde das Mitwirken bei Prozessionen und kirchlichen Feiern untersagt.

Neubeginn nach 1945

Schon am 20. Mai 1945 – kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges – wurde auf Grund einer Vereinbarung zwischen Musikkapelle, Gemeindeführung und Leitung der Widerstandsbewegung die „Wiedererrichtung der Musikkapelle nach altem Tiroler Brauch“ beschlossen. Bereits am 3. Juni 1945 konnte mit der Teilnahme der Musikkapelle am Einzug der Erstkommunikant/innen in die Kirche das vor 1938 üblich gewesene Jahresprogramm wieder aufgenommen werden.

1950 – Beitritt zum Landesverband

1950 erklärte die Musikkapelle den Beitritt zu dem drei Jahre zuvor gegründeten Verband der Tiroler Blasmusikkapellen. Seither und mit der im gleichen Jahr erfolgten Anmeldung zur Eintragung in die Vereinskartei bei der Sicherheitsbehörde in Innsbruck ist die Musikkapelle  als Verein mit eigenen Statuten unter dem Namen „Bundes-Musikkapelle Axams“ organisiert.

1952

Ausrichtung  des Bezirksmusikfestes am Sonntag, den 13. Juli, verbunden mit dem 140-jährigen Bestandsjubiläum, unter Obmann Josef Zimmermann und Kapellmeister Alois Zorn

1962

Ankauf von neuen Instrumenten mit Normalstimmung, welcher von der Gemeinde Axams großzügig unterstützt wurde. Kapellmeister zu dieser Zeit war VS-Oberlehrer Josef Apperl.

1963

Wiederholt erfolgen Ausrückungen, die in Verbindung mit den bevorstehenden IX. Olympischen Winterspielen 1964 in Innsbruck stehen (z.B. Grundsteinlegung für das Olympiahotel sowie Eröffnung der Sesselbahn aufs Hoadl in der Axamer Lizum).

1964

Ständchen der Musikkapelle Axams beim Empfang der Kaiserin Farah Diba von Persien im Hotel Olympia, Axamer Lizum, während der Olympischen Winterspiele.

1968

Das 18. Bezirksmusikfest findet vom 12. bis 14. Juli 1968 unter Obmann Sepp Thumer und Kapellmeister Hans Zorn in  Axams statt.

1976 – Musikpavillon und neuerlicher Aufschwung

-          Ausrückung zum Herrenslalom der XII. Olympischen Winterspiele in der Axamer Lizum

-          1976 entstand unter Obmann Alois Zeisler jun. in unmittelbarer Nähe des  Probelokals der     Musikpavillon, der  seither insbesondere für Platzkonzerte einen passenden Rahmen bietet.

-          Nach mehrmaligem Kapellmeisterwechsel während der vorangegangenen Jahre

und einem drastischen Mitgliederrückgang erfuhr die Musikkapelle Axams in den Folgejahren einen neuerlichen Aufschwung. Von nur 20 Mitgliedern im Jahre 1976 erhöhte sich unter dem neuen Kapellmeister Prof. Erich Giuliani der Mitgliederstand bald auf mehr als 40 ausrückende Musikant/innen.

1983

33. Bezirksmusikfest in Axams unter Obmann Alois Markt sen. und Kapellmeister Prof. Erich Giuliani. Dieses Musikfest stellte für die Musikkapelle Axams eine sehr große Herausforderung dar, weil Axams eine Woche vorher, am 04. Juli 1983, von einer verheerenden Murkatastrophe betroffen war und intensive Aufräumungsarbeiten im Dorf erforderlich waren.

1985

Die Musikkapelle feiert unter Obmann Alois Markt sen. und Kapellmeister Prof. Erich Giuliani mit einem großen Zeltfest (05. – 07. Juli) und einem interessanten Festprogramm  die Gründung der Kapelle vor 175  Jahren.

1987

Gemeinsam mit den Axamer Schützen hatte die Musikkapelle Axams am 04. Mai die Ehre, den Österreichischen Bundespräsidenten Dr. Kurt Waldheim in Innsbruck zu empfangen.

1991 – Frühjahrskonzerte wieder aufgenommen

Nach mehr als 20-jähriger Unterbrechung wurde die Wiederaufnahme eines Frühjahrskonzertes ins Jahresprogramm beschlossen. Anfangs wurden die Konzerte im Theater- bzw. Lindensaal abgehalten, jetzt finden diese im festlich geschmückten Turnsaal der VS-Axams, jeweils am Vorabend des Muttertages, statt.

Maiblasen

Seit Beginn der 1990er Jahre – nach jahrelanger Unterbrechung – zieht die Musikkapelle am 01. Mai wieder „mit klingendem Spiel“ durch das Dorf und darf sich dabei der großzügigen finanziellen Unterstützung durch die Dorfbewohner/innen (Haussammlung) erfreuen.

1999

-          49. Bezirksmusikfest in Axams vom 09. bis 11. Juli unter Obmann Karl Oberger und Kapellmeister Manfred Stern

-          Übersiedlung in das neu errichtete und den Erfordernissen bestens entsprechende Probelokal

2004

Ausrückung nach Innsbruck mit der Georg – Bucher - Schützenkompanie Axams als Ehrenkompanie zum landesüblichen Empfang des neu gewählten Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer

2005

Ausflug nach Venedig mit Werbeauftritten in Venedig und Mestre

2007

Abänderung des Namens „Bundesmusikkapelle Axams“ auf „Musikkapelle Axams“ und Anpassung der Statuten an die neuen Gegebenheiten.


Kapellmeister:

Aus einer Aufzeichnung in der Chronik geht hervor, dass der Musikkapelle bis zum Jahre 1920 insgesamt 16 Kapellmeister vorgestanden sind.

Ignaz Anton Tiefenbrunner, ein Lehrer und Freiheitskämpfer, gilt als Gründungskapellmeister.  Sein Sohn Jakob, ebenfalls Lehrer, und dann von 1865 bis 1872 der Lehrer Josef Schönherr,  Vater des Dramatikers Karl Schönherr, werden als Nachfolger von Ignaz Anton Tiefenbrunner genannt.


1920 – 1952 mit 2 Unterbrechungen:                     ZORN Alois (Ehrenkapellmeister +)

1926:                                                                       WILD Vitus (+)

1938:                                                                       TASCHLER Peter (+)

1938:                                                                       HESS Josef (+)

1953 – 1963 und 1974:                                           APPERL Josef, VD (+)

1964 – 1968 und 1975                                            ZORN Johann, Dr.

1969 – 1970:                                                           GABRIEL Ferdinand (+)

1971 – 1972:                                                           REINSTADLER Karl

1973:                                                                       RAMPL Walter

1976 – 1985:                                                           GIULIANI Erich, Prof.

1986 – 1987:                                                           TANZER Manfred

1988:                                                                       GANNER Peter

1989 – 1995:                                                           GAMPER Andreas

1996 – 2003                                                             STERN Manfred

Seit 2003                                                                  KRIEGLSTEINER Roland



Obmänner

Mit der Gründung des „Musikbundes Innsbruck und Umgebung“ im Jahre 1925 erfolgte erstmals eine Durchorganisation in den Musikkapellen des Bezirkes. Es wurden Statuten erstellt, nach denen Obleute, Schriftführer und Kassiere zu bestellen waren. In Axams scheint zunächst Kapellmeister Alois Zorn alle diese Agenden erledigt zu haben.

In der Chronik werden erst in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre Josef Braunegger als Obmann und Josef Apperl als Schriftführer mehrmals erwähnt.

Mit dem Beitritt der Musikkapelle zum Verband der Tiroler Blasmusikkapellen (Bescheid vom 24. März 1950) wurde die Axamer Musikkapelle ein Verein mit eigenen Statuten. Seit dieser Zeit gibt es gewählte Obleute und weitere Funktionäre.

1950 – 1959:                                                          ZIMMERMANN Josef, Ehrenobmann, (+)

1960 – 1966:                                                          SCHELLHORN Raimund (+)

1966 – 1973:                                                          THUMER Josef (+)

1974 -  1978:                                                          ZEISLER Alois jun.

1978 -  1996:                                                          MARKT Alois sen., Ehrenobmann

1996 -  2005                                                          OBERGER Karl, Ehrenmitglied

seit 2005                                                                MARKT Hansjörg

Axams, 18.02.2010

T. Z.

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